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Eine Tradition, eine Institution endete abrupt: Science4life ist eingestellt

Wer nicht eng mit dem Scienc4Life-Wettbewerb in Hessen verbunden ist, hat es womöglich nicht mitbekommen: dieser mit gut drei Jahrzehnten Laufzeit besonders traditionelle Businessplan-Wettbewerb wird überraschend nicht fortgeführt. Dafür hatte es im Frühsommer noch keinerlei Anzeichen gegeben. Eine fehlende Unterschrift des Hauptsponsors bedeutete jedoch das Ende.

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Seit 1998 begleitet Science4Life Gründer an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft. Die unabhängige Initiative für Life Sciences, Chemie und Energie entwickelte sich dabei zu einem der etablierten Businessplan-Wettbewerbe Deutschlands. Mehr als 7.000 Teilnehmer haben bislang über 2.000 Geschäftsideen eingereicht; daraus sind nach Angaben der Initiative mehr als 900 Unternehmen hervorgegangen.

Überraschendes Ende

Doch in diese beeindruckende Bilanz muss man eine Korrektur einfügen, nämlich die Vergangenheitsform: der Science4Life-Gründerwettbewerb in seiner bisherigen Form ist Geschichte. Vor der Sommerpause kam diese Nachricht für den engeren Kreis der Mitwirkenden nicht einmal mehr überraschend, da es in der Vorbereitung der traditionellen Abschlussehrung schon geheißen hatte, dass dies die letzte derartige Veranstaltung sei.

Überraschend für alle hatte der jahrzehntelange Hauptsponsor Sanofi die Unterschrift unter einer neuerlichen Verlängerung des mit einem hohen sechstelligen Betrag verknüpften Sponsorvertrages verweigert. Dem von der Landesregierung Hessen und diesem ehemaligen Sponsor im wesentlichen getragenen Businessplan-Wettbewerb brach damit ein Standbein weg. Zwar wurde diese fehlende Unterschrift in der offiziellen Verlautbarung als ein „planmäßiger“ Rückzug des Sponsors bezeichnet, doch mit dem Innenleben der Wettbewerbsorganisation vertraute Personen finden deutlichere Worte. Alle wären vollständig überrascht worden, auch aus der Firmenzentrale in Paris hätte niemand vorher irgendwelche Signale in dieser Richtung vernommen. Reichlich überrascht wirkte dann auch doch die Non-Kommunikation über das Ende des traditionellen Wettbewerbes, der wohl einer der ersten spezifischen Businessplan-Wettbewerbe für die Life Sciences war. Ein Buch mit Geschichten, eine Bilanzpressekonferenz, ein Film, ein rauschender Abschlussball, … all das hat es nicht gegeben. Sang- und klanglos kam das Ende nach der Überreichung der Siegertrophäen des Jahrgangs 2026 daher. Das Organisationsteam hat sich dem Vernehmen nach bereits in alle Winde verstreut oder ist unter den Mantel des Schutzpatrons der hessischen Landesregierung auf andere Positionen geschlüpft. Eine Fortsetzung folgt damit nicht in der bisherigen Konstellation, wenn überhaupt.

Aus einer Tradition war eine Institution geworden

Im Zentrum des Wettbewerbes, zur Erinnerung nochmals bereits seit beinahe 30 Jahren, stand die Übersetzung wissenschaftlicher Ideen in tragfähige Geschäftsmodelle. Das Spektrum reichte von neuen Diagnostik- und Therapiekonzepten über tierversuchsfreie Testverfahren und Medizintechnik bis zu nachhaltigen Materialien, biobasierten Produkten und Energietechnologien. Unterstützt wurden die Gründer von einem Netzwerk aus mehr als 300 ehrenamtlichen Experten, darunter Investoren, Patentanwälte und Branchenfachleute.

Über die Jahre hatte sich Science4Life damit von einem klassischen Businessplan-Wettbewerb zu einer Schnittstelle zwischen Forschung, Unternehmertum und Kapital entwickelt. Für die teilnehmenden Start-ups ging es nicht nur um Preisgeld und Auszeichnungen, sondern vor allem um Feedback, Kontakte und den Zugang zu einem Netzwerk, das den Schritt von der wissenschaftlichen Idee zum Unternehmen erleichtern sollte. Eine erfolgreiche Platzierung galt entsprechend als wichtiges Signal bei der weiteren Investorensuche.

Gründer-Initiativen allerorten

Dinge, die lange Jahre gut funktionierten und sich etabliert haben, müssen kein ewiges Leben haben. Auch unter Organisationen und Institutionen darf es eine Evolution geben, manchmal wünschte man sich sogar eine solche ganz bewusst, statt etablierte Strukturen nur deshalb aufrechtzuerhalten, weil sie sich eben über lange Jahre bewährt hätten und doch vielleicht nicht mehr ganz den Takt der Zeit und der aktuellen Akteure mitgehen können.

Es darf also Veränderung geben, es muss sogar Veränderung geben dürfen. Mit den aktuellen neuen Sternchen am Gründerhimmel aus dem Wettbewerb der Start-up-Factories streben auch einige neue Initiativen ganz konkret die Nachfolge einiger in die Jahre gekommener Clusterorganisationen an oder sie füllen eine Lücke, wo es solche Initiativen oder auch standortübergreifende Bemühungen in der Vergangenheit noch gar nicht gab.

Auch das ebenfalls recht unkommunizierte Ende des Life-Science-Inkubators der Max-Planck-Gesellschaft in Dresden und Bonn, der in Dresden schon länger abgewickelt wurde und nun auch in Bonn der finalen Liquidation entgegensieht, ist ein Beispiel dafür, dass manche Konzepte aus den vergangenen Jahrzehnten aus diversen Gründen nicht mehr in die heutige Zeit  passen mögen. Bei den Inkubatoren, die von der Technologietransfereinheit Max-Planck-Innovation (MPI) gemanaged wurden, war es aber wohl das Modell der Beteiligung an den dort eingemieteten Start-ups und die dabei aufgerufenen Beteiligungsquoten, die dieses Modell schon seit einigen Jahren nicht mehr attraktiv genug positionieren konnte. Die Nachfrage blieb aus. Dann ist es nur konsequent, das einmal ausgedachte Modell einzumotten und sich anderweitig zu orientieren und zu positionieren.  Aus der Max-Planck-Verwaltung hieß es dazu gegenüber |transkript, dass es heutzutage so viele Inkubatoren und Acceleratoren gebe, dass Gründungswillige aus den Max-Planck-Instituten Anknüpfungspunkte genug finden könnten, und diese Forschungsgesellschaft nicht unbedingt etwas Eigenes platzieren müsse.

Bei Science4Life stellt sich die Lage jedoch anders dar. Die Nachfrage nach diesem traditionellen Wettbewerb war ungebrochen hoch. Mit der Erweiterung ins Feld der Energiewirtschaft schon vor Jahren, hatten die Organisatoren frühzeitig weitere Innovationsfelder erschlossen. Dies hätte nun auch in aktuellen Zeiten ein weiteres Mal passieren können, um etwa die Bereiche Quantencomputer, KI, Verteidigung oder anderes ebenfalls im Umgriff des Wettbewerbes einzubeziehen. Dazu hätte man eventuell die enge Verbindung zu Sanofi ein wenig lockern müssen und weitere Unterstützer in der Breite hinzunehmen sollen.

Wird es weitergehen?

Ob solche Bemühungen im Hintergrund verhandelt werden, ist derzeit nicht ganz sicher. Um einen sanften Übergang in eine neue Ära des Science4Life-Wettbewerbes in evolutionärer Art und Weise hinzubekommen, dazu war der Rückzug von Sanofi zu plötzlich, ein Plan für das weitere Vorgehen existierte zunächst nicht. Frühere Mitwirkende an herausgehobener Stelle bezeichnen die Entscheidung schlicht als Fehler. Vielleicht ist die traditionelle Verknüpfung zu Sanofi aber auch der Hinderungsgrund gewesen, dass weitere Partner sich nicht in der Lage sahen, mit substantiellen Beträgen das Fortbestehen und die Weiterentwicklung zu unterstützen. Wenn es überhaupt nach Sanofis Rückzug die Zeit gab, solche neuen Partner anzusprechen.

Science4Life wird damit nicht wegen eines falschen Konzepts beendet. Eigentlich müsste man ein Schild an die Türe des Wettbewerbes hängen, auf dem steht: Wegen Erfolgs geschlossen. Ob es aber doch, oder ganz anders oder erst einmal eine Weile überhaupt nicht weitergeht, werden die nächsten Wochen zeigen.

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